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03.04.2012

Alkohol in Lebensmitteln: Unnötige Panikmache durch Foodwatch verunsichert Verbraucher

In einer ihrer aktuellen Kampagnen greifen die selbsternannten Verbraucherschützer von Foodwatch alkoholfreie Biere an. Mit dem Vorwurf, derartige Produkte enthielten Reste von Alkohol, würden deshalb den Verbraucher täuschen und eine Gesundheitsgefährdung darstellen, versucht Foodwatch die Schlagzeilen der Presse zu erobern. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die Vorwürfe als haltlos. Geringe Anteile alkoholischer Verbindungen sind in zahlreichen unbedenklichen Lebensmitteln und selbst Verbraucherzentralen stellen fest, dass Verbraucher, Autofahrer bedenkenlos derartige Produkte genießen oder alkoholfreies Bier trinken können. Um das ganze aufzuklären, einige Fakten zu Alkohol in Lebensmitteln:

Wie entsteht Alkohol?
Hefen bauen Zuckerverbindungen ab, dabei entsteht eine Reihe von Produkten, unter anderem auch Alkohol. Hefen sind in der Umwelt allgegenwärtig, egal ob in der Luft, auf Oberflächen von Pflanzen, Obst oder Gemüse. Sogar der Mensch kommt nicht ohne Hefen aus, im gesamten Darmtrakt haben bestimmte Hefestämme wichtige Funktionen, auf der Haut sorgen Hefen für ein gesundheitsförderndes Hautklima.

Wie kommt natürlicher Alkohol in Lebensmittel?
Lässt man Lebensmittel, denen gezielt Alkohol zugesetzt wird (z. B. Rumkugeln), außen vor, entstehen immer dann auf natürliche Weise alkoholische Verbindungen, wenn Zuckerverbindungen vorhanden sind. Zuckerverbindungen sind überall dort, wo Obst oder Gemüse enthalten ist, aber auch wenn Getreide verarbeitet wird, denn aus der Stärke des Korns entsteht natürlicherweise Zucker. Wenn diese Zuckerverbindungen ohne chemische Konservierungsstoffe oder ohne technische Haltbarmachung sind, wird zwangsweise durch die allgegenwärtigen Hefen Alkohol gebildet. Das heißt Fruchtsäfte (egal ob Orangen-, Apfel- oder Traubensäfte), Sauerkraut, Kefir, Essig oder Brot (hergestellt mit traditionellem Sauerteig) enthalten Alkohol. Genauso ist in reifem Obst mit hohem Zuckergehalt, beispielsweise Bananen, Alkohol vorhanden.

Wie hoch ist der natürliche Alkoholgehalt in Lebensmitteln?
Folgende Werte werden genannt:

Orangensaft: 2 - 4 g Alkohol pro Liter
Mischbrot: 2 - 4 g Alkohol pro kg
Kefir: bis zu 6 g Alkohol pro Liter
Kombucha: 5 - 6 g Alkohol pro Liter
Sauerkraut: 2 - 8 g Alkohol pro Liter
Apfelsaft: 1 - 3 g Alkohol pro Liter
Alkoholfreies Bier: max. 4 g Alkohol pro Liter (entspricht 0,5 Vol.%)

Sind diese natürlichen Alkoholgehalte unter 0,5 Vol.% gefährlich?
Nein, Verbraucherzentralen und medizinische Studien zeigen eindeutig, dass selbst beim Genuss relativ großer Mengen dieser Produkte keinerlei Gefahren für den Verbraucher bestehen, auch nicht für Autofahrer.

Wie ist die rechtliche Situation geregelt, besteht Handlungsbedarf?
Ausgangssituation ist, dass natürliche Alkoholgehalte unter 0,5 Vol.% gesundheitlich völlig unbedenklich sind. Damit ist aus gesundheitlicher Sicht keine Deklaration erforderlich und es ist bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 0,5 Vol.% festgelegt.
Würde man eine Kennzeichnungspflicht selbst bei Alkoholgehalten unter 0,5 Vol.% einführen, wären Verbraucher irritiert und würden in ihrer Wahrnehmung abstumpfen, weil eine Unzahl von offensichtlich unschädlichen Lebensmitteln gekennzeichnet werden müsste. Umgekehrt würde die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit für echte alkoholische Produkte wie Rumkugeln u.a. sinken.

Sollte man Lebensmittel mit einem Alkoholgehalt unter 0,5 Vol.% verbieten oder zumindest mit einem Warnhinweis kennzeichnen?
Es wäre die Pervertierung des Verbraucherschutzes: Natürlich hergestellte Lebensmittel, deren geringe Alkoholgehalte nachweislich selbst Risikogruppen wie Kindern nicht schaden, wären zu verbieten bzw. mit einem Warnhinweis zu brandmarken. Hingegen wären künstliche Lebensmittel, hergestellt aus künstlichen Aromen und sonstigen künstlichen Zusätzen in der Außendarstellung positiver dargestellt, da ohne Warnhinweise: Ein natürlicher Orangensaft hätte einen Warnhinweis, während ein Gemisch aus Wasser und künstlichen Aromen plus Farbstoff keinen Warnhinweise hätte. Ein natürlicher Kefir wäre mit Warnhinweis nahezu unverkäuflich, während ein ähnlich schmeckendes Gemisch aus künstlichen Emulgatoren, Aromastoffen, Schaumstabilisatoren und Farbstoffen ohne Warnhinweis als die bessere Alternative erschiene? Gerade regionale Hersteller mit ihren traditionellen Verfahren wären im Vergleich mit vielen Großkonzernen und deren HighTech-Anlagen benachteiligt. So kann und darf Verbraucherschutz nicht aussehen!

Gibt es eine Bierherstellung ohne Alkohol?
Das Reinheitsgebot in Deutschland regelt, dass zur Bierherstellung nur die 4 Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen, Hefe zulässig sind – Bier gehört damit zu den reinsten Lebensmitteln überhaupt. Damit sind aber sämtliche Aromastoffe, Schaumbildner, Konservierungsstoffe schlichtweg verboten. Als Konsequenz dieser natürlichen Herstellung muss alkoholfreies Bier zumindest kurz angären, der Alkoholgehalt liegt bei alkoholfreien Bieren im Bereich 0,2 – 0,4 Vol.%, wie bei allen Lebensmitteln mit natürlichen Alkoholgehalten liegt der maximale Grenzwert bei 0,5 Vol.%.

Zusammengefasst:
So wichtig die sonstige Arbeit von Foodwatch erscheint, so unnötig und verstörend ist sie bei alkoholfreiem Bier. Zukünftig sollte man sich bei Foodwatch auf Fachkompetenz statt auf Effekthascherei konzentrieren.

Pressekontakt

Stefan Stang
Private Brauereien Bayern e. V.
Thomas-Wimmer-Ring 9
80539 München
Telefon: 089/2909560
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Roland Demleitner
Private Brauereien Deutschland e. V.
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